Henriette-Goldschmidt-Haus Leipzig
Abriss-Pläne für Goldschmidt-Haus bestätigt
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Leipziger Internet Zeitung vom 16. März 2010
Trauriges Jubiläum:
Vor 10 Jahren wurde das Henriette-Goldschmidt-Haus abgerissen


Leipziger Volkszeitung vom 18. Juni 2008
Musikverleger Hinrichsen kehren zurück


Leipziger Volkszeitung vom 21. November 2005
Schule ehrt ihre Gründerin


Leipziger Volkszeitung vom 16. November 2004

Neue Ebertstraße in der Kritik
Umbau entfacht Debatte um Stadtgestaltung
"Goldschmidthaus hätte stehen bleiben können"


Informationen von Oktober 2004 - Mai 2005

Prachtbau abgerissen


Pressemitteilung der Stadt Leipzig vom 22. Dezember 2003

Friedrich-Ebert-Straße: Umbau zwischen Manet- und Käthe-Kollwitz-Straße


Pressemitteilung der Stadt Leipzig vom 17. November 2003

Älteste Leipziger Kindertagesstätte „Henriette Goldschmidt“
feiert 85-jähriges Jubiläum

Leipzig, im Juli 2002 

Parkplatz

hier stand das Henriette-Goldschmidt-Haus
im November 2003 befindet sich hier ein Automarkt



Leipziger Volkszeitung vom 29. Oktober 2001

Henriette-Goldschmidt-Schule feiert heute 90. Geburtstag

Bei Festveranstaltung wird an die jüdische Frauenrechtlerin erinnert / Einrichtung macht 650 junge Leute als Erzieher und Kosmetiker fit


Grabstätte der Familie Goldschmidt
auf dem Alten Israelitischen Friedhof in Leipzig


Leipzig, im Oktober 2001
... es hat sich nichts getan ... keine neue verbreiterte Straße ... kein Neubau eines Gebäudes mit zugesagtem Einbau der gesicherten Originalteile des Hauses ...
sondern: das Auto hat gewonnen ... ein wilder Parkplatz ist entstanden
Bleibt zu hoffen, dass wenigstens eine anständige Ehrung von Henriette Goldschmidt anläßlich des am 29. Oktober 2001 stattfindenden Jubiläums des 90jährigen Bestehens der Henriette-Goldschmidt-Schule durch die Verantwortlichen der Stadt Leipzig vorgenommen wird.
 
Zerstörung des Henriette-Goldschmidt-Hauses 
am 18. März 2000 vollzogen -
beginnend in der Nacht um 4 Uhr bis zum Nachmittag!

Eine Mahnwache begleitete diesen Akt des genehmigten Abrisses.
Hier können Sie erste Bilder dieser Zerstörungsaktion sehen.
 

Der Leipziger Graphiker Matthias Klemm hat eine Graphik zum Haus 
gestaltet mit dem Titel "Wundmal - Entwurf einer fiktiven Gedenktafel in 10 
Jahren". 

Zu sehen ist sie in der Nikolaikirche.

AN DIESER STELLE STAND DAS
HENRIETTE-GOLDSCHMIDT-HAUS
ALS AUTHENTISCHER ORT JÜDISCHEN GEISTESLEBENS
GEHÖRTE ES ZUM NATIONALEN KULTURERBE
1999 WURDE DIESES HAUS
ABGERISSEN
OBWOHL EIN STADTRATSBESCHLUSS UNTER NEUEN 
GESICHTSPUNKTEN NICHT MEHR TRUG HIELTEN
DIE STADTVERORDNETEN AN DIESER MASSNAHME FEST


 9. März 2000
  • Die Fassade des Hauses ist demontiert worden. Die ausführende Firma sagte, dass ihr der Sandstein unter den Händen "weggebröselt" ist. Das Haus sieht jetzt total schlimm aus und ist nicht mehr zu retten.
  • In den nächsten 3 Wochen startet der Abriss, wahrscheinlich an einem Wochenende. Alle Interessierten können sich dann vor Ort als Mahnwache versammeln.
  • Die Strafanzeige vom 13. Januar 2000 (siehe Text weiter unten!) wurde von der Staatsanwaltschaft Leipzig an die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden weitergeleitet. 


 20. Januar 2000
Zur Rettung von Bauteilen

Goldschmidthaus wird eingerüstet
Seit gestern (19.01.2000) wird das Henriette-Goldschmidt-Haus in der Friedrich-Ebert-Straße 16 eingerüstet, damit die Fassade dokumentiert und die denkmalgeschützten Teile des Bauwerks wie Segmente der Stuckdecke gesichert werden können. Sie sollen zwischengelagert und bei einem Neubau wieder verwendet werden. Auf dieses Vorgehen hatten sich die Stadt Leipzig und die Eigentümer des Grundstücks nach einem entsprechenden Stadtratsbeschluss vom Dezember vorigen Jahres geeinigt.

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 20. Januar 2000
r.



 Am 13. Januar 2000 wurde erneut S t r a f a n z e i g e gegen Unbekannt gestellt wegen des dringenden Tatverdachts der Begünstigung (§ 257 StGB), des Betruges (§ 263 StGB), der Untreue (§ 266 StGB) und von Straftaten im Amt, insbesondere der Vorteilsnahme (§ 331 StGB) und der Vorteilsgewährung (§ 333 StGB).

Gegenstand dieser Strafanzeige sind die Umstände der Veräußerung des Grundstückes Friedrich- Ebert- Straße 16 in Leipzig (Henriette- Goldschmidt- Haus) im Jahr 1991.

Der genaue Wortlaut der Strafanzeige kann hier per e-Mail abgefordert werden.



 Leipzig fällt
Verkehrsfragen oder: Geschichte schützt vor Abriss nicht
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23. Dezember 1999


Auszug aus dem Schreiben von Herrn Prof. Dr.-Ing. Gerhard Glaser, Sächsischer Landeskonservator, Landesamtes für Denkmalpflege, an den Stadtrat der Fraktion Bündnis 90/Grüne, Michael Weichert, vom 16.12.1999

„... Sehr geehrter Herr Weichert,

nach Kenntnisnahme der Pressemitteilung der Stadt Leipzig vom 16.11.1999 zum Problem des Henriette- Goldschmidt- Hauses sehe ich mich zu einer Richtigstellung unser Haus betreffend veranlasst.

Der Regierungspräsident verfügt über keine Denkmalfachbehörde, sondern ist nach dem Sächsischen Denkmalschutzgesetz (SächsDSchG) vom 03.03.1993, § 3, Höhere Denkmalschutzbehörde. Denkmalfachbehörde sind wir, das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Die Höhere Denkmalschutzbehörde kann nach dem SächsDSchG in Verbindung mit dem Aufbaubeschleunigungsgesetz denkmalpflegerische Fragen endgültig entscheiden nach Anhörung der Fachbehörde. Im Rahmen dieser Anhörung haben wir uns unter Berufung auf unsere ausführliche Denkmalbegründung vom 12.11.1996 gegen den Abbruch des Hauses ausgesprochen.

Die in der Pressemitteilung dargestellte Verabredung zum Abbruch des Hauses und Wiederaufbau, 12 m zurückversetzt, hat mit uns nicht stattgefunden. So, wie Gebäude und Fassade technisch durchgebildet und inzwischen geschädigt sind, dürfte originale Substanz der Fassade bei einem Abbau weitgehend auseinanderfallen, so dass bestenfalls eine Kopie entstehen könnte. ...“

Schauen Sie auch hier und sagen Sie Ihre Meinung!
 

16. Dezember 1999
Abriss-Pläne für Goldschmidt-Haus bestätigt
Noch einmal flogen die (verbalen) Fetzen, aber es bleibt alles beim Alten: Der zu Jahresbeginn verabschiedete Bebauungsplan für die Friedrich-Ebert-Straße, der auch den Abriss des Henriette-Goldschmidt-Hauses vorsieht, wird nicht mehr geändert. Dafür sprach sich der Stadtrat gestern aus - wenn auch mit sehr knapper Mehrheit.
Sowohl Margitta Hollick (PDS) als auch Annette Körner von den Grünen machten sich noch einmal stark dafür, das stark beschädigte Haus als Heimstätte von Frauenvereinen zu erhalten und die vorgesehene Straßenverbreiterung nicht vorzunehmen. Die Anträge beider Fraktionen wurden jedoch von der überwiegenden Zahl der CDU- und SPD-Stadträte abgelehnt. Michael Koelsch und Christine Clauß von der CDU wollten durchsetzen, dass zumindest noch einmal geprüft wird, welche Konsequenzen eine Änderung des Bebauungsplans hätte. Für diesen Antrag stimmten 33 Stadträte, 34 waren dagegen.
Zuvor hatte sich Beigeordneter Lütke Daldrup erneut dafür ausgesprochen, das Andenken an die Frauenrechtlerin Henriette Goldschmidt "nicht allein an diesem Haus fest zu machen". Die breitere Straße werde gebraucht. Ein Stück nach hinten versetzt soll nun ein Gebäude gebaut werden - unter Verwendung von Originalteilen.

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 16. Dezember 1999
T.M.



15. Dezember 1999
Goldschmidthaus: Hintergebäude abgerissen
Seit gestern Morgen sind die Bagger im Hof 
der Friedrich-Ebert-Straße 16 im Einsatz

Das Hintergebäude des umstrittenen Goldschmidthauses wird seit gestern Morgen abgerissen. Gegen neun Uhr begannen die Bagger, das verfallene Gemäuer im Hof der Friedrich-Ebert-Straße 16 zusammenzuschieben. "Wir haben mit dem Hinterhof begonnen, damit die Baumaschinen diesen Schuttberg als Rampe befahren können", sagte Thomas Schuchardt als einer der Eigentümer. Von dort aus könnte dann das Vorderhaus abgetragen werden.
Wie berichtet, soll das Henriette-Goldschmidt-Haus und die beiden Nachbargebäude einer breiteren Straße weichen. Ein Verein versucht seit Monaten, den Abriss zu verhindern. Zudem stellten mehrere Stadtratsfraktionen Anträge zum Erhalt des Hauses oder zur Änderung des Bebauungsplanes an dieser Stelle. Heute wird im Stadtrat erneut über dieses Papiere verhandelt. "Das Haus bleibt so lange stehen, bis endgültig über sein weiteres Schicksal entscheiden wurde", so Schuchardt.

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 15. Dezember 1999
A. Ri.



14. Dezember 1999
Goldschmidthaus: Gegner des Abrisses stoppten Bagger
Eigentümer wollten Tatsachen schaffen / Politiker griffen ein

Die Aufregung ums Henriette-Goldschmidt-Haus reißt nicht ab: Gestern Nachmittag sollten die Bagger auf dem Grundstück Friedrich-Ebert-Straße 16 auffahren. Doch die Gegner des Abrisses setzten durch, dass das Haus vorerst stehen bleibt. Morgen soll das Thema erneut im Stadtrat diskutiert werden.

"Punkt 15 Uhr fahren heute die Bagger vor", teilte gestern Vormittag Thomas Schuchardt, einer der Eigentümer des Henriette-Goldschmidt-Hauses mit. Als erstes solle das Hinterhaus zusammengeschoben werden. Und: "Wir wollen Tatsachen schaffen."
Wie berichtet, soll das inzwischen verfallene Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße zusammen mit zwei Nachbarhäusern einer breiteren Straße weichen. Ein entsprechender Stadtratsbeschluss wurde im Vorjahr gefasst. Dagegen läuft der Verein "Henriette-Goldschmidt" Sturm, der das Haus als Domizil von Frauenvereinen erhalten will. Die Eigentümer durften deshalb seit fünf Jahren nicht mit der Sanierung beginnen. "Diese ist nun wirtschaftlich nicht mehr tragbar", sagte Thomas Schuchardt, der deshalb mit dem Abriss beginnen wollte.
Die Nachricht, dass die Eigentümer nun auf eigene Faust handeln wollen, verbreitete sich gestern in Windeseile. So versammelten sich am Nachmittag mitten im Berufsverkehr Stadträte, Mitglieder des Goldschmidt-Vereins und andere Leipziger vor dem Haus, um die Baggger zu stoppen. Doch diese ließen auf sich warten. "Wir fordern, dass die Verwaltung den Abriss verhindert, bis am Mittwoch im Stadtrat endgültig über die Anträge zum Erhalt des Hauses entschieden wird", so CDU-Stadtrat Michael Koelsch. Er berief sich dabei auf eine entsprechende Zusage von OBM Wolfgang Tiefensee (SPD).
Andreas Wolf vom Dezernat Planung und Bau war ebenfalls an den Ort des Geschehens gerufen worden. Er sicherte Thomas Schuchardt zu, dass die Stadt erneut ein Gespräch mit den Gesellschaftern führen werde. Thema solle der bereits vorgeschlagene Kompromiss sein, bei dem das Haus abgetragen, Teile der Fassade gesichert und an einem zwölf Meter zurückgesetzten Neubau angebracht werden sollten. Für den erhöhten Aufwand seien Fördermittel avisiert worden. Die Eigentümer hätten vermutlich mit dem so plötzlich angedrohten Abriss versucht, mehr Tempo in die Verhandlungen zu bringen.

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 14. Dezember 1999
A. Richter
 

13. Dezember 1999
Eilnachricht:  Noch heute soll der Abriss stattfinden!
 
11. Dezember 1999
Streit geht weiter - Verein will Gebäudekauf prüfen lassen
Anträge zum Goldschmidt-Haus im Kulturausschuss abgelehnt

Die Debatten um das Henriette-Goldschmidt-Haus gehen weiter. Gestern wurden die Anträge der Bündnisgrünen und der PDS, die das Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße 16 erhalten und den Bebauungsplan ändern wollen, vom Kulturausschuss abgelehnt. Auch ein Antrag der CDU-Stadträte Christine Clauß und Michael Koelsch fand nach den Worten des Planungsbeigeordneten Engelbert Lütke Daldrup nicht die erforderliche Mehrheit. Beide hatten die Verwaltung aufgefordert zu prüfen, welche Konsequenzen sich ergeben, wenn das Gebäude stehen bleibt. 

Nach einem Beschluss des Stadtrates aus dem vergangenen Jahr soll das von der Frauenrechtlerin Henriette Goldschmidt gestiftete Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße einer breiteren Straße weichen.

Heftige Diskussionen hatte es bereits einen Tag zuvor im Stadtbezirksbeirat Mitte gegeben. Dort trug Ines Hantschick vom Verein "Henriette-Goldschmidt-Haus" erneut die Proteste von Abrissgegnern vor. Zugleich wurde angeregt, einen Untersuchungsausschuss für die Vorgänge beim Verkauf des Goldschmidt-Hauses zu Beginn der 90-er Jahre zu gründen.

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 11./12. Dezember 1999
A.Ri.



26. November 1999
Stadträte Claus und Koelsch führen Initiative fort
CDU-Fraktionsmehrheit distanziert sich von Antrag zu Goldschmidthaus
Die Mehrheit der Rathaus-CDU hat dem von Michael Koelsch initiierten Antrag zum Goldschmidthaus die Unterstützung versagt. Das Papier sei irrtümlich als Fraktionsantrag eingereicht worden, hieß es gestern. Jetzt wollen Koelsch und seine Kollegin Christine Clauß allein die Initiative starten. Damit der Antrag behandelt wird, müssen sie Unterschriften von weiteren 12 Stadträten sammeln.
Koelsch fordert die Verwaltung auf zu prüfen, welche Konsequenzen sich ergeben, wenn das Haus stehen bleibt. Eigentlich soll das von der Frauenrechtlerin Henriette Goldschmidt gestiftete Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße einer breiteren Straße weichen. Ein Verein fordert hingegen den Erhalt.
Den vom Rathaus angebotenen Kompromiss, das Gebäude könne - ein paar Meter versetzt - mit Originalteilen wieder aufgebaut werden, habe die Mehrheit der CDU-Fraktion für hinreichend gehalten, hieß es gestern (25. November 1999). Koelsch meint, der Prüfauftrag hätte dennoch aufrecht erhalten bleiben können: "Ich habe für diese Entscheidung kein Verständnis."

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 26. November 1999
T.M.

PS: Auch der Stadtbezirksbeirat Mitte sprach sich in seiner letzten Sitzung einhellig für den Erhalt des Henriette-Goldschmidt-Hauses aus.



22. November 1999
Nach Grünen und PDS hat jetzt auch die CDU einen neuen Antrag gestellt
Drei Stadtrats-Fraktionen wollen Abriss des Goldschmidt-Hauses vorerst stoppen

Im Stadtrat wächst der Widerstand gegen den geplanten Abriss des Henriette-Goldschmidt-Hauses. Nach den Grünen und der PDS hat jetzt auch die CDU einen Antrag dazu eingebracht. Die Fraktion will prüfen lassen, welche Konsequenzen sich ergeben, wenn das Haus stehen bleibt. Bis das Ergebnis vorliegt, dürfe mit dem Abriss nicht begonnen wereden, forderte Stadtrat Michael Koelsch. Die Christdemokraten hatten dem Bebauungsplan, auf dessen Basis das Haus abgebrochen werden soll, eigentlich zugestimmt. Das "unerwartet große öffentliche Interesse" an dem Gebäude zwinge aber dazu, den Beschluss zu überdenken, sagte Koelsch.
Wie berichtet, soll das verfallene, in Privatbesitz befindliche Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße zusammen mit zwei Nachbarhäusern einer breiteren Straße weichen. Ein Verein fordert hingegen den Erhalt des Hauses, in dem einst die Frauenrechtlerin Henriette Goldschmidt gewirkt hat. Vor wenigen Tagen bot das Rathaus den Kompromiss an, das Gebäude könne - um ein paar Meter zurückgesetzt - unter Verwendung von Originalteilen neu aufgebaut und das Erdgeschoss dann vom Verein gemietet werden. Für den Mehraufwand signalisierte das Regierungspräsidium Fördermittel.
Beigeordneter Engelbert Lütke Daldrup meint, dies sei eine gute Lösung. Wer Maximalforderungen stelle, könne "in die Sackgasse" geraten. Der Abriss sei bereits genehmigt, erläuterte der Beigeordnete im Stadtrat nach einer Anfrage der Bürgerfraktion. Wenn jetzt der Abrisstermin noch einmal verschoben werden soll, könne das höchstens auf der Basis guten Willens geschehen. OBM Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, er gehe davon aus, dass das Haus bis zur Entscheidung über die Fraktionsanträge stehen bleibt.
Der Verein zur Rettung des Gebäudes sammelt jetzt Geld, um das Haus winterfest machen zu können. Auch hierfür wolle das Regierungspräsidium Mittel beisteuern, teilte Ines Hantschick vom Verein mit. Weitere Spenden seien willkommen.

Nähere Infos unter Telefon (0341) 9 83 34 50 oder im Internet: www.henriette-goldschmidt-haus.de

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 22. November 1999
T.M.



16. November 1999
Stadt schlägt Kompromiss vor
Goldschmidthaus soll nach Abriss neu entstehen

Das Henriette-Goldschmidt-Haus soll nach dem Abriss 12 Meter hinter dem jetzigen Standort wiedererrichtet werden. Diesen Kompromiss haben Regierungspräsident, Stadtverwaltung und Eigentümer gestern dem Verein vorgeschlagen, der für den Erhalt der Friedrich-Ebert-Straße 16 kämpft. Damit sollen sowohl der geplanten verbesserten Verkehrsführung an dieser Stelle als auch dem Erhalt des stadtgeschichtlichen Erbes Rechnung getragen werden. Wie es aus dem Rathaus hieß, wird die Fassade rekonstruiert und in den Neubau einbezogen. Außerdem soll der historische Grundriss des Erdgeschosses eingehalten werden. Für den denkmalpflegerischen Mehraufwand hat das Regierungspräsidium dem Investor Fördermittel zugesagt.
Beim Goldschmidthaus-Verein stieß der Vorschlag auf Ablehnung, "Weil die Authentizität des Ortes einer außergewöhnlichen Reformerin nicht mehr gewahrt ist".

Leipziger Volkszeitung vom 16. November 1999

  • offizielle Erklärung der Stadt Leipzig zum Henriette-Goldschmidt-Haus hier
  • Gegendarstellung des Vereins hier
Diskussion zur Thematik gern hier


Vom 12. bis 17.11.99 Aktion des Volkskunstkomitees im Goldschmidt- Haus.

Von 14.00 bis 18.00 Uhr sind ein jüdisches Gebet und ein sächsisches Kinderlied aus dem Inneren des Hauses hörbar. 
Von 18.00 bis 22.00 Uhr werden alle Räume, die zur Friedrich-Ebert-Strasse liegen, von innen erleuchtet.

Am 16.11.99 um 17.00 Uhr im Rahmen der Friedensdekade
Friedensgebet für das Henriette- Goldschmidt- Haus in der Nikolaikirche. Anschließend Spaziergang mit Kerzen zum Haus.



13.11.99
Leserbrief der Bürgerrechtlerin Freya Klier zur Rettung des Henriette-Goldschmidt-Hauses


10. November 1999

Weiterer Rettungsversuch für´s Henriette-Goldschmidt-Haus
Fraktionen wollen Pläne für die Ebertstraße ändern

Zur Rettung des Henriette-Goldschmidt-Hauses starten Bündnis 90/Die Grünen und PDS einen neuen Anlauf: Beide Fraktionen werden am 18. November im Stadtrat beantragen, den Bebauungsplan für die Friedrich-Ebert-Straße zu ändern.
Wie berichtet, soll die Trasse zwischen Reichel- und Kollonadenstraße verbreitert werden, um separate Fahrspuren anzulegen. Deshalb soll auch das Henriette-Goldschmidt-Haus abgerissen werden.
"Aussagen des OBM gegenüber Vertreterinnen des Vereins Goldschmidt-Haus sowie von Verwaltungsmitarbeitern lassen die Schlußfolgerung zu, dass die geplante Verbreiterung der Friedrich-Ebert-Straße aktuell zurückgestellt wurde", sagt Annette Körner von den Bündnisgrünen. Auch der PDS-Antrag geht von einer veränderten Situation aus. Doch in der Verwaltung findet sich niemand, der die Aussagen bestätigt. "Die Stadt hält an ihren Plänen für diesen Teil der Friedrich-Ebert-Straße fest", so gestern der Chef des Verkehrsplanungsamtes Walter Stein. Auch der Vorsitzende des Planungsausschusses Joachim Fischer spricht von einem geplanten Ausbau des Abschnitts bis 2002. Und Michael Klemmer als einer der Hauseigentümer zeigt sich ebenfalls überrascht: "Fünf Jahre lang durften wir am Haus nichts machen, jetzt ist eine Sanierung wirtschaftlich nicht mehr tragbar." Zudem seien vor kurzem die Abrissbagger vorgefahren. "Wir sind vom Bauordnungsamt gebeten worden zu prüfen, ob auch die Ebertstraße 18 mit abgerissen werden kann, nun hängt´s an den ungeklärten Eigentumsverhältnissen", so Klemmer.
Derweil hat der Verein "Goldschmidt-Haus" ein Konzept für das Gebäude erarbeitet. Für die Sanierung sind rund 800 000 Mark vom Regierungspräsidium eingeplant. "Wenn sich die Stadt entschließt, das Haus stehen zu lassen, werden wir das Projekt auf jeden Fall mit Fördermitteln unterstützen", bestätigte gestern Denkmalpfleger Wolfgang Hocqel.
Wie Ines Hantschick vom Verein ankündigte, hätten bereits zahlreiche Vereine und Verbände ihre Bereitschaft erklärt, im Goldschmidt-Haus Räume zu mieten.

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 10. November 1999
Andrea Richter



23. Oktober 1999

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat heute in der Sendung "Länderspiegel" im ZDF eine Dokumentation über die Situation des weit über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannten Henriette-Goldschmidt-Hauses gebracht.



Trotz großer nationaler und internationaler Proteste an die Adresse des 
Oberbürgermeisters und die Fraktionen des Leipziger Stadtrats steht der Abriss des Henriette-Goldschmidt-Hauses unmittelbar bevor. 

Die Stadtratssitzung am 15.09.99, bei der die Verfechter erneut für den Erhalt demonstrierten und eine Eilanfrage an die Verwaltung zur Beantwortung übergeben wurde, hat keine Wende gebracht.

Sowohl die Mehrheit der Stadträte als auch der Oberbürgermeister sind nicht bereit, mit unserem Verein über die Möglichkeiten der Rettung dieses 
unwiederbringlichen Kulturdenkmals zu beraten. 

Wir werden dennoch nicht nachlassen in unseren Bemühungen und sind für jede Unterstützung sehr dankbar. 

Als nächste Schritte sind eine Einstweilige Verfügung gegen den Abriss, die 
Prüfung weiterer rechtlicher Schritte sowie Gespräche mit Vetretern aller 
Fraktionen, die für den Erhalt des Hauses votieren, geplant.


Das Henriette-Goldschmidt-Haus sollte am 16. und 17.10.99 abgerissen werden; der Abriß ist jedoch im Moment gestoppt. 
 
Foto vom 20.10.99
(in großer Darstellung)

Drei Arbeiter verschließen nach dem Stopp des Abrisses das Tor des Hauses.

Derzeit besteht ein Schwebezustand, wobei jedoch nicht anzunehmen ist, dass die Chancen für den Erhalt des Hauses gestiegen sind. 
Eher ist davon auszugehen, dass es sich hier nur um eine Verzögerung handelt.